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Wie bringt man einen Playboy um? 2007

Auszug aus der Rheinpfalz

Die Liebe lebt weiter, doch die Killer sind nicht zu stoppen
EDENKOBEN: Theatergruppe „Total besteuert“ der Finanzhochschule spielt Kriminalkomödie „Wie bringe ich einen Playboy um?“
Morgens Finanzrecht vermitteln und Steuersätze erklären, abends als trotteliger Schürzenjäger, kühler Geschäftsmann mit weichem Herz, dummdreister Killer und betrogene Ehefrau mit südamerikanischem Temperament überzeugen. Für die Dozenten der Theatergruppe „Total besteuert“ der Fachhochschule für Finanzen Edenkoben gelang dieser Spagat. Die Truppe brachte am Donnerstag und Freitag die Kriminalkomödie „Wie bringt man einen Playboy um?“ des brasilianischen Autors Joao Bethencourt auf die Bühne im ausverkauften Kurpfalzsaal. Was ist das Geheimnis einer glücklichen Ehe? Für den brasilianischen Patriarchen Tavora muss der Mann eine Geliebte haben und er darf sich nicht dafür interessieren, was seine Frau so alles treibt: „Eifersucht ist nicht angebracht“. Was seine Tochter betrifft, sieht die Sache anders aus. Marina ist unglücklich, weil ihr liebestoller Ehemann Gugu so unvorsichtig ist, dass ihr seine Affären nicht verborgen bleiben. Um die Familienehre zu retten, setzt Tavora zwei Killer auf ihn an. Doch Marina versöhnt sich mit ihrem Mann, die Pistoleros aber sind, versehenmit dem Segen der Schutzpatronin, nicht mehr zu stoppen. Chefkiller Chico stirbt nach dem „Mord“ an einer Schaufensterpuppe im Kugelhagel seines Assistenten Tonino, der wieder einmal zu spät kam. Ironischerweise ist es Marinas Eifersucht und Liebe, die ihrem Gatten das Leben rettet, woraufhin er geläutert ewige Treue schwört. Am Donnerstag kommentierte das angerührte Publikum die schnulzige Schlussszene mit Gelächter und einem kollektiven Seufzer. Im roten Minirock gab Iris Zimmer Marina den passenden Charakter: Die schmollende, trotzige Tochter und Ehefrau, die eifersüchtig auf Rache sinnt, die hysterisch schreiend den Kugelhagel übertönt, die ihrem Gugu ihre Liebe beweist, indem sie dem toten Killer ein Ohr abtrennt. Und das, obwohl Gugu zeit ihrer Ehe auf sein Leibgericht Hühnchen verzichten musste, weil seine Ehefrau kein Blut sehen kann. Jörg Ramb ging in der Rolle des Fabrikanten auf, hinter dessen kühler Fassade ein weiches Vater- und begierig heißes Männerherz schlägt. Mit dem Mordauftrag will er die Familienehre retten und muss dabei erkennen, dass Gerechtigkeit nicht käuflich ist und alles Geld der Welt einen religiösen Fanatiker nicht bremsen kann. Ein wenig staksig kam Edgar Leicht als Chico in Trenchcoat, Hut und Sonnenbrille daher. Ob es nun Absicht war, oder nicht, die Steifheit in der Aussprache passte zur Rolle des nicht besonders gescheiten, aber gefürchteten Profikillers. Nur wenig Gelegenheit, sich als Killerassistent zu profilieren, hatte Christian Baur, der als Tonino nur zwei kurze Auftritte hatte. Philip Poppelbaum dagegen hatte leichtes Spiel, das Publikum zu begeistern. Allein der Anblick des Lehrers als vor Angst bibbernder entkleideter Frauenheld in Unterwäsche riss die vorwiegend jungen Zuschauer im Kurpfalzsaal zu Lachsalven hin. In der Kulisse eines Damenmodesalons (gebaut von Georg Sebastian), in dem das Öffnen des Fensters über Leben und Tod entscheidet, hatte Regisseur Christian Herbrand das fünf Personen-Stück zu einem rasanten Wechselspiel zwischen Spannung und Lachen gefügt. Nachdem im ersten Teil das Hinund Her, wie die Killer von ihrem Mordauftrag befreit oder abgelenkt werden könnten, etwas langatmig geriet, war im zweiten Teil ständig Leben auf der Bühne, steigerten sich die Szenen rasant zum glücklichen Finale. Das Publikum bedankte sich mit stürmischem Schlussapplaus.